Hybride-Orte

Städte unterliegen ständigen Transformationsprozessen in denen Gebäuden, Straßen und Plätzen, meist begleitet durch bauliche Veränderungen, neue Nutzungen zugeordnete werden. Hinzukommen politische Ereignisse durch die den Orten im Kontext der Erinnerungspolitik eine bestimmte Authentizität zugeschrieben wird.

Unsere Städte bestehen so aus Netzen „hybrider Orte“ die, ausgehend von den Spuren der Geschichte eine Vielzahl von Deutungsmöglichkeiten zulassen.

Die einstige Garde-Dragoner-Kaserne, heute Dragoner-Areal genannt, ist ein solcher „hybrider Ort“.

Das Dragoner-Areal kann gelesen werden als:

Unterkunft und Ausbildungsstätte einer Preußischen Eliteeinheit und damit als ein Baudenkmal des Preußischen Militarismus der 1850er Jahre,

Baudenkmal der Technikgeschichte im Rahmen der Transformation der Garde-Dragoner-Kaserne zum bedeutendsten Automobilstandort Berlins,

Ausdruck der spezifischen sozial-kulturellen Entwicklung des einstigen West-Berliner Stadtbezirkes Kreuzberg der 1970er und 1980er Jahre.

Im Rahmen des Sanierungsgebietes Rathausblock soll das Dragoner -Areal neu geordnet werden. Informationen finden sich auf der dazu eingerichteten Internetseite des Bezirksamtes Kreuzberg-Friedrichshain.

Auto-Mobil

In den 1920er Jahren setzte, der auf Verkehrsbauwerke spezialisierte Architekt Heinrich Kosina (1899-1977) mit einem Gesamtkonzept den Transformationsprozess der Garde-Dragoner-Kaserne zu dem bedeutendsten Automobilstandort Berlins um.

Dieses Konzept beruht auf einer guten Kenntnis der technischen Entwicklung der damaligen Zeit, auf einem betriebswirtschaftlichen Denken und dem Wissen um die Geschichte des Ortes.

Heinrich Kosina führte ab 1927 die bisherigen Planungen zusammen, ergänzte sie durch Umbauten und Neubauten sowie einem Freiraumkonzept. Zur Umsetzung der Baumaßnahmen wurden weitere Architekten mit eingebunden.

So war das heutige Dragoner-Areal im Jahre 1931 der von der Fläche größte Automobilitätsstandort Berlins, mit dem berlinweit differenziertesten automobilen Angebot und einer Kapazität von ca. 600 Garagenplätzen. In der Waschanlage konnten 2200 Fahrzeuge pro Tag gereinigt werden.

Das Konzept aus den 1920er Jahren wurde in den 1950er und 1990er Jahren behutsam weitergeführt.

Der erhaltene Baubestand der Automobilität des Dragoner-Areals stellt heute, entsprechend des Denkmalschutzes ein bedeutendes Denkmalensemble der Sozial- und Technikgeschichte Berlins nämlich der Automobilität dar. Das Denkmalensemble der Automobilität sollte zukünftig wie auch die militärische Nutzung der einstigen Garde-Dragoner-Kaserne erhalten und lesbar gemacht werden.